PAK, KANALBÜHNE, Sainctelettesquare, Brussels

Kanalbühne

Im Januar 2005 lud das Kaaitheater PAK ein, in der Saison 05/06 ein Projekt zu realisieren. Anschliessend an eine Recherchewoche im Februar 2005 reichte PAK vier Vorschläge ein. Das Kaaitheater wählte das Projekt KANALBÜHNE aus. Dieses Projekt fokussiert eine Stelle in unmittelbarer Umgebung des Kaaitheaters: Eine rechteckige, gut 30 x 35 Meter grosse Lücke – gebildet durch die zwei Brücken über den Willebroek-Kanal am Saincetelettesquare auf der Achse Botanique-Basilique. Ein unwirtlicher Ort mitten im Verkehrsgetöse, beinahe unzugänglich und dennoch mit Bänken zum Verweilen ausgestattet.
Dieser Ort befindet sich auf der Grenze zwischen Brüssel-Stadt und Molenbeek, einem traditionellen Arbeiterquartier, das heute vorwiegend von MigrantInnen aus dem Maghreb und aus Pakistan bewohnt wird. Diesen öffentlichen Raum passieren täglich Tausende Brüsseler, ohne den Ort bewusst wahrzunehmen. Es ist eine absurde Leerstelle, am Reissbrett entworfen, welche die nördlichste Ecke des Brüsseler Fünfecks nicht markiert, sondern anonymisiert. Ein typisches Beispiel Brüsseler Non-Urbanisation. Ein Niemandsland, über das eine Region, drei regionale und pararegionale Einrichtungen, zwei Gemeinden, vier Polizeistationen aus zwei verschiedenen Polizeizonen, fünf gemeindeübergreifende Ämter und zwei Firmen das Sagen haben.
Das Viereck zwischen den zwei Brücken und den beiden Kanalufern bildet formal betrachtet einen abgegrenzten Raum und damit einen bespielbaren Ort: Die Kanalbühne. Fahrspuren, Tramgeleise, Gehsteige, Wasser und Schiffe mit ihren verschiedenen Strömen, Richtungen und Bewegungen bilden einen Rahmen für verschiedenste Inszenierungen dieses Zwischenraums. Die zwei begehbaren Ufer werden Standort für ein Publikum: Zwei Seiten, zwei Gegenüber; oder zusammen mit den Brücken auch vier Seiten, vier Parteien.